Borderline-Autismus

Valudis Redaktion, 22. Januar 2020

Autismus, Mentale Gesundheit

Das Konzept des Autismus kann manchmal sehr verwirrend sein. Das Syndrom, das erstmals in den 40er Jahren vom österreichischen Psychiater Leo Kanner erklärt wurde, hat im Laufe der Geschichte viele kontroverse Meinungen hervorgerufen. Autismus ist eine sehr komplexe neurologische Störung, die zu verschiedenen Formen von Verhaltens-, Kommunikations-, sozialen und kognitiven Beeinträchtigungen führen kann. Menschen mit Autismus entsprechen selten dem von Medizinern in der Vergangenheit eingeführten symptomatischen Standardprofil. Tatsächlich erzeugt das Syndrom ein sehr breites Spektrum von Symptomen, die auf verschiedenen Ebenen und in unterschiedlicher Intensität erlebt werden können.

In den meisten Fällen können die von Rutter und anderen Wissenschaftlern eingeführten Diagnosekriterien ausreichen, um einige Kategorien von autistischen Kindern zu identifizieren. Einige Kinder weisen jedoch möglicherweise nur einige Merkmale von Autismus auf und zeigen keine anderen Anzeichen der Störung. Zeitgenössische Mediziner haben oft darüber diskutiert, ob es angemessen ist, diese Kategorie von Kindern als autistisch zu betrachten oder nicht. Patienten, die teilweise in das autistische Profil passen, könnten als „grenzwertig“ bezeichnet werden. Das Konzept des Borderline-Autismus ist heutzutage sehr verbreitet und umfasst im Allgemeinen Patienten, die klare Anzeichen von Anomalien zeigen, aber nur einige Symptome des Kanner-Syndroms aufweisen. In der Vergangenheit wurde bei vielen Kindern mit Borderline-Autismus unangemessenerweise eine Psychose oder Schizophrenie diagnostiziert.

Bei Patienten, die nicht genau in das Profil des Autismus passen, aber bestimmte Anzeichen des Syndroms aufweisen, kann heutzutage das Asperger-Syndrom diagnostiziert werden. Aufgrund ihrer Gemeinsamkeiten wurden das Asperger-Syndrom und das Kanner-Syndrom als dasselbe Konzept betrachtet. Viele Wissenschaftler glaubten, dass das Asperger-Syndrom eine mildere Form von Autismus beschreibe, während andere es völlig versäumten, zwischen ihnen zu unterscheiden. Tatsächlich beschrieb das von Asperger entdeckte Syndrom Patienten, die nicht genau in das Muster des Autismus passten, und daher könnte es als eine Form von „Borderline-Autismus“ bezeichnet werden. Das Asperger-Syndrom zeigte, wie schwierig es war, die Grenze zwischen autistischen und normalen Kindern zu ziehen, und bewies, dass es möglich war, dass die Patienten nur bestimmte Merkmale von Autismus hatten.

Als die Asperger-Theorien populär wurden, wurden viele Kinder, bei denen zuvor ein „leichter“ Autismus diagnostiziert worden war, nun als an Asperger-Syndrom erkrankt angesehen. Kinder mit Asperger-Syndrom schienen eher auf äußere Reize zu reagieren und zeigten weniger Besorgnis über Gleichheit. Kinder mit Asperger-Syndrom schienen auch eine höhere Leistungsintelligenz und bessere Kommunikationsfähigkeiten zu haben. Im Gegensatz zu autistischen Kindern, die kaum Fortschritte machten, da sie fortgeschrittenere Entwicklungsstadien erreichten, konnten einige Kinder, bei denen das Asperger-Syndrom diagnostiziert wurde, bereits in der frühen Kindheit teilweise geheilt werden. Mit Hilfe spezifischer medizinischer Behandlungen und mit den Mitteln geeigneter Bildungsprogramme zeigten die meisten Kinder mit Asperger-Syndrom Anzeichen einer Verbesserung sowohl auf der Verhaltens- als auch auf der Kommunikationsebene.

Heutzutage können die meisten Patienten mit der Diagnose Asperger-Syndrom erfolgreich in die Gesellschaft integriert werden und sogar ein unabhängiges Leben führen. Im Erwachsenenalter haben sich viele Patienten mit Asperger-Syndrom als sehr verantwortungsbewusst und gesellschaftsfähig erwiesen und zeigen nur wenige Anzeichen neurologischer Beeinträchtigung.

Dieser Artikel handelt von einem Krankheitsbild oder gesundheitlichen oder medizinischen Thema und dient dabei jedoch nicht der Eigendiagnose. Der Beitrag ersetzt nicht eine Diagnose durch einen Arzt. Bitte lesen und beachten Sie auch unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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