Verletzlich

Dirk de Pol, 6. August 2019

Mentale Gesundheit

Verletzlichkeit, besonders wenn sie sich als Empfindlichkeit zeigt, bewerten wir in der Regel alles andere als positiv. Wir verbinden sie oftmals vorschnell mit Weichlichkeit oder auch Versagen. Und obwohl sich in den letzten Jahren einiges geändert hat, gelten in der von Männern dominierten Gesellschaft noch bis heute Erfolg und Stärke als wichtiger als an die eigenen Gefühle heranzukommen. Aber was genau ist Verletzlichkeit? Was bedeutet es, wenn wir verletzlich sind?

Verletzlichkeit ist an sich eher gut als schlecht. Wenn wir unsere Verletzlichkeit leugnen, tun wir uns selbst keinen Gefallen. Wenn wir verletzlich sind, sind wir offen und bereit überhaupt irgendetwas zu fühlen. Wenn wir also zu machen, uns verschließen, werden wir uns vielleicht zwar sicher fühlen, doch vieles geht an uns vorbei oder prallt ab, aber sich vor Verletzungen sind wir damit auch nicht wirklich. Wir befinden uns so nur in einer trügerischen Sicherheit.

Wenn wir uns jedoch öffnen, unseren Gefühlen freien Lauf lassen, sie zu lassen, dann machen wir uns zugleich auch erkennbarer für andere, die uns natürlich verletzen könnten. Wir stehen zugleich aber auch in einer ganz anderen Verbindung zu allen anderen Dingen. Nicht nur Liebe, Empathie, auch Engagement. Leidenschaft und Kreativität basieren letztlich auf Offenheit und damit Verletzlichkeit.

Offenheit macht uns verletzlich und bedeutet insofern immer auch ein Risiko. Aber ohne dieses Risiko können wir nicht wirklich Neues lernen und wachsen. Und das bedeutet, dass Verletzlichkeit nicht etwa für Schwäche, sondern im Gegenteil für Mut steht.

Ohne Verletzlichkeit können wir nicht wirklich wahrhaftig leben. Wenn wir verletzlich sind, sind wir offen für die bereichernden Erfahrungen, aber natürlich auch für die Wunden, die das Leben unweigerlich schlägt. Das wirklich Lebenswerte, Nähe, Verbundenheit, Liebe, alles, was wirklich zählt und auf uns wartet, kann von uns nur wahrgenommen werden, wenn wir offen und verletzlich sind.

Dieser Artikel handelt von einem Krankheitsbild oder gesundheitlichen oder medizinischen Thema und dient dabei jedoch nicht der Eigendiagnose. Der Beitrag ersetzt nicht eine Diagnose durch einen Arzt. Bitte lesen und beachten Sie auch unseren Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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